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08.08.2015 17:00erstellt von: Jutta Kabbe


25 Jahre ADFC-Kronberg

25_Jahre

… oder, wie es dazu kam, dass ausgerechnet hier sich eine Interessenvertretung für Radfahrer so lange halten konnte.


1990 was für ein Jahr! Veränderungen überall. Die Wende: Helmut Kohl versprach „blühende Landschaften“. Gorbatschow verschrottete Waffen. Deutschland wurde Fußballweltmeister. Tennis war die angesagteste Sportart. Im Spätsommer fand sich ein Häuflein Mitglieder und Interessierte des ADFC aus Kronberg und Umgebung erstmals in der Taunushalle in Schönberg ein.

In Bremen hatte sich der ADFC 1979 gegründet, als Lobby für Radfahrer. Sie sollten nicht mehr an den Rand gedrängt werden, um für immer mehr schnelle Autos Platz zu schaffen. Treffen in hessischen Ortschaften wurden angeregt. In der Gründungsversammlung am 24. September 1990 wurde Hadmut Lindenblatt als Vorsitzende der Ortsgruppe Kronberg gewählt. Sie führte 1991 einen „Fahrradklimatest“ an der AKS in Form eines „Meckerschecks“ durch. Im gleichen Jahr gab es die erste Kronberger Stadtberadelung mit Politikern und Stadtverwaltung unter Leitung von Günter Budelski. Feierabendtouren zweimal im Monat bot Wolfgang Braun Mittwochs ab kath. St. Vitus Kirche an. Sonntagstouren wurden geplant und Mehrtagesfahrten.

Es ergab sich dann 1991, dass ich den Vorsitz für zunächst ein Jahr übernahm, weil ich zufällig das gleiche Schreibprogramm wie meine Vorgängerin auf dem Atari verwendete. Beim MTV war ich gern mal zum Spaßvergnügen in der Radsportabteilung geradelt. Ungerechtigkeit ärgerte mich sehr. Verkehrsraum gab es in Kronberg nur für Autos. Dass das Amt der 1. Vorsitzenden des ADFC-Kronberg aber sechzehn Jahre lang an mir kleben sollte, ahnte ich damals nicht.

Kronberg erstickte gerade im Lärm und Gestank selbst erzeugten motorisierten Verkehrs. Lange träumte die allein regierende CDU von einer Umgehungsstraße zwischen den Stadtteilen. Die sollte die Stadt vom Autoverkehr entlasten. Zählungen ergaben, dass 86 % sogenannter Ziel und Quellverkehr, also kein Durchgangsverkehr war. Der war damit nicht aus der Stadt. Es musste also irgendwie anders gehen. Radverkehr existierte weder real noch in den Köpfen - ebenso wenig ein Stadtbussystem. Den Aufruf von ADFC, BUND, SDW und,VCD, dass sie zur Entlastung der liebenswerten Stadt öfter mal das Auto stehen lassen wollten, unterschrieben viele Kronberger. Die Anzeige wurde in der Zeitung veröffentlicht und sie bezahlten das.

Politische Mehrheiten änderten sich. Tempo 30 wurde dann unter Rot/Grün von dem ersten nicht CDU Bürgermeister Wilhelm Kreß eingeführt und viele Straßen zu Einbahnstraßen, leider auch für Radler, was für diese zusätzliche Steigungen und weite Umwege bedeutete. Für unsere Radfahrerlobby gab es viel zu tun. An Akzeptanz für die Verkehrsart „Radfahren“ mangelte es erheblich. „viel zu gefährlich!“ und „die Topografie!“: waren die Argumente.

Wiederholte Stadtberadelungen mit Auswertung der Streckenprotokolle folgten. Wahlprüfsteine, Briefe an die Stadt, in denen die Missstände festgehalten waren, wurden formuliert. Als sich überhaupt gar nichts änderte, mussten wir leider 1993 dem Magistrat die „rostige Speiche“ verleihen. Der erste Stadtrat nahm eine geschmackvoll gestaltete Skulptur – Bordstein mit Speiche entgegen. Dazu gab es eine Urkunde mit triftiger Begründung der negativen Auszeichnung.

Die Mitgliederzahlen des ADFC in Kronberg stiegen bis 2001 auf den heutigen Stand (etwa 100), eine verglichen mit Bund, Land und Kreis überaus hohe Mitgliederdichte. Bei Infoständen auf dem Berliner Platz und auf dem Apfelmarkt konnte man sich Rat rund ums Rad holen und sein Fahrrad codieren lassen. Wir waren sehr aktiv. Günter Budelski sorgte mit hervorragender Pressearbeit dafür, dass das auch allgemein bekannt wurde. Ich konnte mich auf Unterstützung der immer gleichen verlassen.

In den ersten siebzehn Jahren gab es kleine Erfolge: beispielsweise Bordsteinabsenkungen, probeweise Öffnung von zunächst je Stadtteil zwei Einbahnstraßen, schließlich auch der Friedrich-Ebert-Straße, kleine Markierungsarbeiten, Radwegbauten entlang der L3015, und Entwidmungen von neu gebauten Bürgersteigradwegen innerorts am Henker und entlang der Jacque-Reiss-Straße. Besonders beeindruckte mich, dass Radler offiziell auf der Busspur den Bleichberg zu Tal rollen dürfen. Ein Radrundweg wurde eröffnet, ein Radverkehrsplan wurde aufgemalt, Standorte für Wegweiser ermittelt.

Leider warten wir bis heute darauf, dass sie endlich aufgestellt werden. Mittel standen mehrfach bereit. Es gibt noch viel zu tun für den Kronberger ADFC - auch heute. Nachdem 2008 Reinhardt Bolz den ersten Vorsitz übernahm, wurde mit neuer Energie einiges auf den Weg gebracht. z. B. endlich die Westerbachstraße gegenläufig beradelbar. Carsten Heinemeyer hatte versucht die Stadt mit einer Website „straßen-für-alle“ zu motivieren, in denen nur zehn Punkte zur Verbesserung vorgeschlagen wurden. Der ersehnte Kulturwandel im Verkehrsverhalten fand noch nicht statt und auch ein „runder Tisch“ zu dem Thema wurde abgelehnt. Der ADFC-Hochtaunus finanzierte einen neuen Flyer zum Radrundweg.

Zu einer Stadtberadelung mit uns war Herr Bürgermeister Temmen bereit, schon bevor er gewählt wurde und obgleich er selbst kein Rad besitzt. Verkehrsschauen finden weiter statt. Klaus Lunau sorgte für einen freundlicheren Umgang mit dem Rathaus und pflegt ihn noch immer als verkehrspolitischer Sprecher des ADFC-Kronberg. Ende September radeln wir wieder mit Herrn Bürgermeister Temmen, um zu schauen, wo es Verbesserungsmöglichkeiten für den Radverkehr in Kronberg gibt.

Dr. Klaus Lunau übernahm für weitere vier Jahre lang nach Dr. Reinhardt Bolz vierjährigem Einsatz den ersten Vorsitz und war unermüdlich im Erstellen und Verteilen von Schriftstücken zur Radverkehrspolitik in Kronberg. Neue Mitarbeiter in der Stadtverwaltung radelten selbst und brachten mehr Verständnis für Bedürfnisse von Radlern auf. Einige Beispiele: Weitere Einbahnstraßen wurden geöffnet, Markierungen ergänzt, Bürgersteigradwege entwidmet und ein elektronischer Radverkehrsplan existiert im Netz. Ein Verkehrsbüro stimmte mit uns und der AKS den Schülerradroutenplan ab.

Alles das kann man ausführlich in den Jahresberichten der jeweiligen Vorsitzenden nachlesen. Seit Anfang1999 pflege ich Internetseiten für unseren ADFC-Kronberg und darin gibt es die Chronik mit Jahresberichten.

Auch über die vergnüglicheren Seiten des Vereinslebens kann man dort recherchieren. Wir haben z. B. viele schöne Radtouren gemeinsam unternommen. Alle angrenzenden Länder bis auf Dänemark und die Schweiz wurden bereist, die Alpen, Mittelgebirge, viele Städte in Deutschland und Flussläufe. Jedes Jahr gibt es ein neues Angebot an Tages und Mehrtagestouren.

Gefeiert wurde das Jubiläum bereits im August bei herrlichem Sommerwetter in Kronberg beim Obsthof Krieger mit Gästen. Der 1. Vorsitzende, Christian Gremse, bedankte sich bei allen, die zum Erfolg beigetragen haben.












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